HiFi-Stereo

High-End Stero oder Surround? „Einen Subwoofer braucht man nicht, die Instrumente spielen eh nicht so tief“; „auf einer High-End Anlage muss man doch Klassik hören“, solche oder ähnliche Phrasen bekommt man schnell zu hören wenn es um das Thema High-End Musikanlage geht.

Klar ist: es ist eine Leidenschaft wie andere Hobbies auch und man trainiert sich im Laufe der Zeit ein immer feineres Gehör an mit dem dann auch der Anspruch an die Musikanlage steigt. Man kann auch dieses Hobby bis zum Exess betreiben und was der eine hören mag, hält der andere vielleicht für Unsinn. Ich will versuchen, hier etwas Licht ins Dunkel zu bringen auch wenn das natürlich nur mein persönlicher Standpunkt sein kann. Aber ihr seid herzlich zu einer kontroversen Diskussion eingeladen.

:willkommen:

Stereo oder Surround?

Ob 2 Kanal Stereo mit oder ohne Subwoofer oder Mehrkanal-Surround ist in erster Linie persönliche Geschmacksache bzw. Philosophie.

Der Surround Klang soll eigentlich einen diffusen Klangteppich erzeugen, dessen Schallquelle nicht unbedingt ortbar ist, zumindest nicht von den Rear-Speakern. Das gelingt natürlich nur wenn entsprechende Systeme (Dipol-Speaker oder zumindest Bipol-Speaker) eingesetzt werden. Liegt der persönliche Focus auf Filmen, ist sicherlich Surround die 1. Wahl. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass eine Surroundanlage gleicher Qualität in etwa das 3-fache wie eine Stereoanlage kostet. Und wenn wir wir von High-End reden, na kann sich jeder selber denken.

Ein Stereo-System darf dieses, einen diffuses Klangbild erzeugen, eben genau nicht. Es soll exakt die Bühne abbilden, damit jedes Instrument an seinem Platz zu orten ist.  Wie gut oder schlecht das gelingt hängt von der Qualität der Musikanlage, der Aufstellungsumgebung und nicht zuletzt von Positionierung der Lautsprecher/Woofer ab.

Ich, für meinen Teil, habe mich für Stereo entschieden weil mein Schwerpunkt auf Musik liegt. Und mit einem entsprechenden Subwoofer ist das Ganze jedem Kinoklang weit überlegen (bis auf die Surroundeffekte halt).

braucht man einen Subwoofer?

:1a:

Eindeutig ja. 

Ja, die Instrumente spielen vielleicht nicht so tief in den Frequenzkeller, dass eine gute Box da nicht hinkommt. ABER DOCH: ist der Woofwer erst einmal angeschlossen und richtig eingestellt, hört sich das Klavier auf einmal auch nach Klavier an. Der Holzkörper hat eben doch seine eigenen Frequenzen die man in natura mithört. Und so soll es auch auf der Anlage sein.

Es bedarf auch hier eher eines Fineart-Künstlers als Woofer als eines Haudrauf. Ich bevorzuge geschlossene Gehäuse (also keine Bassreflex-Systeme) mit Schaltnetzteilen. Die Bassreflex-Systeme neigen zu Strömungsgeräuschen. Legt mal „dark side of the moon“ ein und dreht ein wenig auf. Das Schaltnetzteil sorgt für den erforderlichen Strom und es hört sich, warum auch immer, besser an.

Die optimale Aufstellung des Woofers nimmt indes einiges an Zeit in Anspruch. Auch wenn ein geschlossenes Gehäuse unkritischer zu positionieren sein soll als ein Bass-Reflex. Die ganzen Raumprobleme kommen zum Tragen: der Woofer steht Wohnzimmer-kompatibel, Kabellängen passen aber am Hörplatz ist ein Bassloch. Den Woofer lauter drehen ist keine Lösung, also neu positonieren. Nur weil ein Bass nicht ortbar ist, heisst das nicht, dass es egal ist wo der Bass steht. Eine 100Hertz Schallwelle muss erst 3,4 Meter zurücklegen bevor sie zu hören ist. Und je freier der Raum dafür, um so besser.

Lautsprecher und Elektronik

Lautsprecher und Elektronik wollen genau aufeinander abgestimmt sein. Den Traum-Lautsprecher kaufen und an seine vorhandene HiFi Kette anschliessen und auf einen Top-Sound hoffen – das klappt nur sehr selten. Tatsächlich sollte man sich ausreichend Zeit lassen und zu dem avisierten Lautsprecher Amps verschiedenster Marken und Preisklassen durchhören.

Als ich meine Anlage zusammenstellte war das Ergebnis recht erstaunlich: ich bin schliesslich mit dem Amp nach Hause gegangen, den ich eigentlich gar nicht haben wollte. Aber er hatte sich klanglich eindeutig gegen deutlich teurere durchgesetzt.

Ebenso sind gute Kabel Pflicht. Das gilt sowohl für Lautsprecher als auch für die Verbindung der Geräte untereinander. Ich persönlich bin Fan von analogen Koaxial-Kabeln.

Aber Hören ist eh subjektiv und Geschmacksache. Daher wird jeder die gleiche Kombination anders bewerten.

Der Laufzeiten Mythos

Laufzeiten sind immer Thema in Foren und Fachzeitschriften. Klar, die Anlage muss so aufgebaut sein, dass die Laufzeiten links zu rechts gleich, also symmetrisch sind. Aber im Grunde geht es ja bei der Laufzeitdiskussion immer um die Lautsprecher. der Einwege-Breitband-Töner wird laufzeittechnisch als das Optimum angesehen. Alles andere ist ein Kompromiss.

 FrequenzEntfernungZeit 
 100 Hz3,4 Meter10 ms 
 500 Hz0,68 Meter2 ms 
 1.000 Hz0,34 Meter1 ms 
 10.000 Hz0,03 Meter0,1 ms 
 15.000 Hz0,022 Meter0,06 ms 

Dies soll mal ein Querschnitt der Frequenzen sein, die den Lautsprecher verlassen. Eine Schallwelle muss, damit sie gehört werden kann erst einmal vollständig ihre sinusförmige Wellenlänge durchlaufen.  Eine niedrige Frequenz hat eine längere Wellenlänge als eine hohe Frequenz. Dementsprechend länger ist auch die Laufzeit. Daraus allein ergeben sich ab Lautsprecher schon unterschiedliche Laufzeiten.

Ich frage mich nur folgendes:

:un:

Wenn nun Diskussionen in Fachkreisen über Laufzeiten geführt werden und einzelne Referenten wollen hören können dass ein Subwoofer 6 Meter weiter hinten steht, was haben die da wirklich gehört? Ausgehend von 80 Hz sind sind das 17,4 Millisekunden Differenz. Respekt!!

Dass ein System optimal aufgebaut sein muss um das maximal mögliche herauszuholen ist klar, ansonsten blieben wir auf dem Stand des Kofferradios. Ich denke aber auch, dass man die Kirche im Dorf lassen sollte.

Flankensteilheit brauchbare Einheit für Endanwender?

Ebenso wie Laufzeiten wird immer wieder die Flankensteilheit ins Spiel gebracht. Ich muss gestehen, ich weiss nicht so recht was damit anzufangen. Ja, ich weiss was das ist und es macht auch sicher Sinn bei Abstimmung der Woofer beim Hersteller als Laborwert. Aber für mich als Endanwender?

-jawoll-

Ich stelle also meine Trennfrequenz auf 80Hz ein. Je nach Flankensteilheit wird dichter an 80Hz getrennt oder weniger dicht an 80Hz. Aber wer, zum Henker, hört denn schon genau heraus ob diese Frequenz , die da gerade aus dem Subwoofer kam, genau 80Hz war oder vielleicht 75Hz? Zumal es ja nicht die einzigen Töne sind die da den Lautsprecher verlassen und ausserdem noch recht kurz sind.  Ich finde das schon recht ambitioniert.

Die Killer-Phrase: „auf einer High-End Anlage muss man Klassik hören“

Solche Sprüche kommen meistens von solchen, die sich mit der Materie noch keinen Deut auseinandergesetzt haben aber einen scheinbar intelligenten Spruch machen wollen.

Meine Musikanlage ist sicherlich nicht die schlechteste, aber Klassik bzw. klassische Instrumente – das schafft sie dann doch nur bedingt. Es fehlt der Geige einfach der Holzkörper. Da muss man sicherlich in ganz andere Preiskategorien hinauf.

-o_o-

Es kommt immer darauf an was man hört. Da mein Schwerpunkt auf Progessive liegt, wo die Mehrzahl der Instrumente Verstärker brauchen, ist der Lautsprecher quasi das „natürliche“ Widergabeelement. Dementsprechent original klingen die Alben (entsprechende Abmischung vorausgesetzt).  

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